Korrektur vom 5. November 2026. Hier stand, Dietrichs Gelenke seien in der Wärme besser geworden. Das hat er so nicht gesagt. Er sagt, manche gesundheitlichen Probleme seien durch die Wärme zum Teil besser, und nennt die Gelenke als Grund, warum er keinen Sport machen kann. Außerdem stand hier, die Enkelin komme in einem Jahr in den Kindergarten. Das sagt er nicht. Er sagt, in etwa einem Jahr würden er und seine Frau nicht mehr für die Aufsicht der Kleinen gebraucht. Auch der Schwiegersohn, bei dem er angeblich wohnt, kommt im Video nicht vor. Und anders als hier stand, will er nicht Chiang Mai und Chiang Rai noch einmal ansehen. In Chiang Mai war er schon, Chiang Rai und Pai kennt er noch nicht. Ich habe den Artikel Satz für Satz mit dem Video abgeglichen und diese Stellen korrigiert. Die Fehler gehen auf mich, nicht auf Dietrich.
Dietrich ist 75 und seit drei Jahren fest in Thailand, zurzeit mit seiner Frau in Bangkok, wo die beiden auf die Enkelin aufpassen. Im zweiten Teil unseres Gesprächs sagt er klar: Thailand ist für ihn kein Paradies. Ihn stören das Verbrennen von Müll mit Plastik, die Vermüllung und die Hitze über 30 Grad. Positiv überrascht hat ihn, wie sehr sich die Thai-Familie um ihn kümmert. Und die Deutschen, die er meidet, sind ein bestimmter Typ: Leute, die im Internet schreiben, wie schlimm die Thailänder sind, und über alles lästern.
Das hier ist der zweite Teil meines Gesprächs mit Dietrich in Bangkok. Den ersten Teil findest du hier. Jetzt wird es ehrlicher. Was fehlt ihm? Was nervt ihn? Und was ist dran an dem Satz, man solle sich von Deutschen in Thailand fernhalten?
Was ihm fehlt: mal gepflegt Deutsch reden
Der Videotitel klingt härter, als Dietrich es meint. Denn als Erstes erzählt er mir, was ihm ab und zu fehlt: Austausch in der Nähe, so wie wir beide gerade auf Deutsch reden. In seinem Dorf im Isan ist seine Frau die Einzige, die Deutsch spricht. Englisch können dort die wenigsten. Ein Freund aus Deutschland ist ebenfalls ausgewandert und wohnt jetzt im Isan, drei Stunden von seinem Haus entfernt. Den will er öfter besuchen, wenn sie wieder dort sind.
In Bangkok hat er schon einen deutschen Kontakt getroffen. Die beiden waren auf Koh Kret, einer Insel im Fluss, die du nur mit der Fähre erreichst. Sein Tipp dafür: Wer Ruhe von der Großstadt will, fährt hin. Am Wochenende möglichst früh, denn am Nachmittag ist dort viel los.
Welche Deutschen er meidet
Dann kommt eine Meinung auf den Tisch, die viele vertreten. Man solle sich von Deutschen in Thailand möglichst fernhalten. Dietrich macht klar, wen er dabei meint. Einen bestimmten Typ. Leute, die im Internet schreiben, wie schlimm die Thailänder sind und dass alles doof ist. Er nennt sie Stammtischmenschen, die morgens mit dem Bier sitzen und über alles lästern, was nicht in ihr Weltbild passt.
„Die kann ich nicht brauchen.“
Leute, die nett und offen sind und mit denen man sich unterhalten kann, sucht er dagegen. Das muss man eben herausfinden, sagt er.
„Ich empfinde Thailand nicht als Paradies“
Dietrich sagt es mit einem Augenzwinkern: Im Paradies läuft man nackt herum und muss sich vor Schlangen und Äpfeln hüten. Im Ernst meint er: Probleme, die man in Deutschland hatte, nimmt man häufig mit. Manche seiner gesundheitlichen Probleme sind durch die Wärme zum Teil besser, sagt er. Sport geht wegen seiner Gelenke trotzdem nicht. Er geht spazieren und macht morgens ein bisschen Gymnastik. Sein Darm verträgt kein scharfes Essen, obwohl er es gern mag. Bisher hat ihm die Familie immer etwas extra gemacht, das nicht scharf ist.
Was ihn wirklich stört, ist das Verbrennen von Müll. Da ist oft Plastik drin. Dietrich war in Deutschland im Brandschutz tätig und weiß nach eigener Aussage, wie gefährlich solcher Rauch sein kann. Dazu kommt der Müll am Straßenrand und in der Natur. Er hat einmal einen grünen Streifen an seiner Straße sauber gemacht. Nach kurzer Zeit lag dort wieder alles voll, und er hat aufgegeben.
Die Hitze, mit der er nicht gerechnet hat
Die Wärme, die er im Urlaub und im ersten Jahr angenehm fand, wird mit der Zeit unangenehm. Vor allem über 30 Grad. Spazierengehen in der prallen Sonne nennt er eine Qual. Er wartet deshalb auf die Regenzeit. Dann regnet es nicht die ganze Zeit, sagt er, eher in heftigen Unwetter-Schauern, danach ist die Luft kühler und schwüler. Im Isan fällt dabei oft der Strom aus, weil die Leitungen dort über der Erde hängen.
Positiv überrascht hat ihn etwas anderes: wie sehr sich die Familie um ihn kümmert. Wenn seine Frau mal beim Friseur ist, achtet sein Schwager darauf, dass er etwas zu essen bekommt. Auch wenn sich die beiden kaum verständigen konnten. Inzwischen hilft der Google Translator, sagt Dietrich, das gehe ganz gut.
Thai lernen mit 75
Dietrich sagt, er spricht nicht gut Thai. Ich habe im Café etwas anderes erlebt. Die Angestellten haben mein Englisch nicht verstanden. Dann hat Dietrich es auf Thai erklärt, und sie haben ihn verstanden. Er lernt mit einem Onlinekurs von thailernen.net, den er empfiehlt, der aber nicht ganz billig ist. Jeden Tag bekommt er eine Vokabel zur Erinnerung.
Sein Problem sind die fünf Töne. Die Wörter gehen, die Betonung bleibt schwer hängen. Einmal wollte er seine Jacke haben und hat, falsch betont, nach einem Tiger gefragt. Alle haben gelacht. Mit ihm, betont er, nicht über ihn.
Sein Rat: Fang so früh wie möglich an, je jünger, desto besser. Und lern am besten mit anderen zusammen, allein ist es öde. Für ihn gehört das auch zur Fairness: Wer nach Deutschland kommt, von dem erwartet man zumindest ein bisschen Deutsch. Umgekehrt sei es genauso.
Führerschein, Termine und die 200 Baht
Seinen deutschen Führerschein hat er mit einem internationalen Führerschein in Thailand umschreiben lassen, getrennt für Auto und Motorrad. Beim ersten Mal musste er sich drei Stunden thailändische Videos ansehen, von denen er kein Wort verstand. Dazu kamen ein kleiner Test zu Reaktion und Farbensehen, ein Gesundheitszeugnis und eine Wohnsitzbescheinigung von der Immigration, bei zwei Führerscheinen zwei Stück. Zuerst galten die Führerscheine zwei Jahre, jetzt hat er sie in Bangkok auf fünf Jahre verlängert. Die Kosten lagen nach seiner Erinnerung um die 1.000 Baht, rund 26 Euro, genau weiß er es nicht mehr.
Ohne Führerschein zu fahren, empfiehlt er niemandem. Er erlebt mehr Kontrollen als früher. Dass man einem Polizisten 200 Baht zusteckt und weiterfährt, klappt nach dem, was er hört, heute kaum noch. Ausprobiert hat er es selbst nie.
Bei Arztterminen hat er gute Erfahrungen gemacht. In der Privatklinik, in die er geht, bekommt er schneller einen Termin als damals in Deutschland als Privatpatient, und dort sprechen die Ärzte Englisch. In städtischen Krankenhäusern wartet man länger, sagt er.
Was er als Nächstes vorhat
In etwa einem Jahr werden die beiden nicht mehr für die Aufsicht der Enkelin gebraucht, sagt Dietrich. Dann wollen Dietrich und seine Frau mit dem eigenen Auto erst in den Süden an die Strände, danach zurück in den Isan. Gern würde er noch einmal nach Chiang Mai. Dort war er vor drei Jahren schon, aber zu kurz. Chiang Rai und Pai kennt er noch nicht. Sein letzter Satz an dich, wenn du nach Thailand kommst, ist kurz:
„Genießt es einfach.“
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Zu den Zahlen (Stand 05.11.2026): Alle Aussagen zu Dietrichs Alltag, Gesundheit, Sprache, Führerschein, Kosten und zur Polizei stammen aus dem Interview und geben seine persönliche Erfahrung und Meinung wieder, sie sind nicht unabhängig geprüft · Die Führerschein-Kosten von rund 1.000 Baht nennt Dietrich selbst ausdrücklich als unsicher, die rund 26 Euro habe ich im Gespräch überschlagen · Dietrich hat seinen Führerschein beim Department of Land Transport gemacht, den aktuellen Stand erfährst du dort · Abgleich mit dem Video am 05.11.2026. Alle Angaben ohne Gewähr.