Kurz gesagt

Dietrich ist 75 und seit drei Jahren fest in Thailand, zurzeit in Bangkok bei Tochter und Schwiegersohn. Im zweiten Teil unseres Gesprächs sagt er klar: Thailand ist für ihn kein Paradies. Ihn stören das Verbrennen von Müll mit Plastik, die Vermüllung und die Dauerhitze über 30 Grad. Positiv überrascht hat ihn, wie sehr sich die Thai-Familie um ihn kümmert. Und die Deutschen, die er meidet, sind ein bestimmter Typ: Leute, die dauernd über Thailand lästern.

Das hier ist der zweite Teil meines Gesprächs mit Dietrich in Bangkok. Im ersten Teil ging es um seinen Weg: mit 72 raus aus Deutschland, Pension, Visum, Krankenversicherung. Jetzt wird es ehrlicher. Was fehlt ihm? Was nervt ihn? Und was ist dran an dem Satz, man solle sich von Deutschen in Thailand fernhalten?

Was ihm fehlt: mal gepflegt Deutsch reden

Der Videotitel klingt härter, als Dietrich es meint. Denn als Erstes erzählt er mir, was ihm ab und zu fehlt: Austausch in der Nähe, so wie wir beide gerade auf Deutsch reden. In seinem Dorf im Isan ist seine Frau die Einzige, die Deutsch spricht. Englisch können dort die wenigsten. Ein Freund aus Deutschland ist ebenfalls ausgewandert und wohnt jetzt im Isan, drei Stunden von seinem Haus entfernt. Den will er öfter besuchen, wenn sie wieder dort sind.

In Bangkok hat er sich einmal mit einem deutschen Kontakt getroffen. Die beiden waren auf Koh Kret, einer Insel im Fluss, die du nur mit der Fähre erreichst. Sein Tipp dafür: Wer Ruhe von der Großstadt will, fährt hin. Am Wochenende möglichst früh, denn am Nachmittag ist dort viel los.

Welche Deutschen er meidet

Dann greift Dietrich eine Meinung auf, die er von vielen gehört hat: Man solle sich von Deutschen in Thailand möglichst fernhalten. Auf Nachfrage wird klar, wen er damit meint: einen bestimmten Typ. Leute, die im Internet schreiben, wie schlimm die Thailänder sind und dass alles doof ist. Er nennt sie Stammtischmenschen, die morgens mit dem Bier sitzen und über alles lästern, was nicht in ihr Weltbild passt.

„Die kann ich nicht brauchen.“

Leute, die nett und offen sind und mit denen man sich unterhalten kann, sucht er dagegen. Das muss man eben herausfinden, sagt er.

„Thailand ist kein Paradies“

Dietrich sagt es mit einem Augenzwinkern: Im Paradies läuft man nackt herum und muss sich vor Schlangen und Äpfeln hüten. Im Ernst meint er: Probleme, die man in Deutschland hatte, nimmt man häufig mit. Seine Gelenke sind in der Wärme besser geworden. Dafür verträgt sein Darm kein scharfes Essen, obwohl er es gern mag. Die Familie kocht ihm deshalb oft etwas extra.

Was ihn wirklich stört, ist das Verbrennen von Müll. Da ist oft Plastik drin. Dietrich war in Deutschland im Brandschutz tätig und weiß nach eigener Aussage, wie gefährlich solcher Rauch sein kann. Dazu kommt der Müll am Straßenrand und in der Natur. Er hat einmal einen grünen Streifen an seiner Straße sauber gemacht. Nach kurzer Zeit lag dort wieder alles voll, und er hat aufgegeben.

Die Hitze, mit der er nicht gerechnet hat

Die Wärme, die er im Urlaub und im ersten Jahr angenehm fand, wird mit der Zeit unangenehm. Vor allem über 30 Grad. Spazierengehen in der prallen Sonne nennt er eine Qual. Er wartet deshalb auf die Regenzeit. Dann regnet es nicht die ganze Zeit, sagt er, eher in heftigen Unwetter-Schauern, danach ist die Luft kühler und schwüler. Im Isan fällt dabei oft der Strom aus, weil die Leitungen dort über der Erde hängen.

Die schönste Überraschung ist für ihn eine andere: wie sehr sich die Familie um ihn kümmert. Wenn seine Frau mal beim Friseur ist, achtet sein Schwager darauf, dass er etwas zu essen bekommt. Auch wenn sich die beiden kaum verständigen können.

Thai lernen mit 75

Dietrich sagt, er spricht nicht gut Thai. Ich habe im Café etwas anderes erlebt. Die Angestellten haben mein Englisch nicht verstanden. Dann hat Dietrich es auf Thai erklärt, und sie haben ihn verstanden. Er lernt mit einem Onlinekurs von thailernen.net, den er empfiehlt, der aber nicht ganz billig ist. Jeden Tag bekommt er eine Vokabel zur Erinnerung.

Sein Problem sind die fünf Töne. Die Wörter gehen, die Betonung bleibt schwer hängen. Einmal wollte er seine Jacke haben und hat, falsch betont, nach einem Tiger gefragt. Alle haben gelacht. Mit ihm, betont er, nicht über ihn.

Sein Rat: Fang so früh wie möglich an, je jünger, desto besser. Und lern am besten mit anderen zusammen, allein ist es öde. Für ihn gehört das auch zur Fairness: Wer nach Deutschland kommt, von dem erwartet man zumindest ein bisschen Deutsch. Umgekehrt sei es genauso.

Führerschein, Termine und die 200 Baht

Seinen deutschen Führerschein hat er mit einem internationalen Führerschein in Thailand umschreiben lassen, getrennt für Auto und Motorrad. Beim ersten Mal musste er sich drei Stunden thailändische Videos ansehen, von denen er kein Wort verstand. Dazu kamen ein kleiner Test zu Reaktion und Farbensehen, ein Gesundheitszeugnis und eine Wohnsitzbescheinigung von der Immigration, bei zwei Führerscheinen zwei Stück. Zuerst galten die Führerscheine zwei Jahre, jetzt hat er sie in Bangkok auf fünf Jahre verlängert. Die Kosten lagen nach seiner Erinnerung um die 1.000 Baht, rund 26 Euro, genau weiß er es nicht mehr.

Ohne Führerschein zu fahren, empfiehlt er niemandem. Er erlebt mehr Kontrollen als früher. Dass man einem Polizisten 200 Baht zusteckt und weiterfährt, klappt nach dem, was er hört, heute kaum noch. Ausprobiert hat er es selbst nie.

Bei Arztterminen ist seine Erfahrung eindeutig: In seiner Privatklinik in Bangkok bekommt er schneller einen Termin als früher in Deutschland als Privatpatient, und die Ärzte sprechen Englisch. In städtischen Krankenhäusern wartet man länger, sagt er.

Was er als Nächstes vorhat

In etwa einem Jahr kommt die Enkelin in den Kindergarten. Dann wollen Dietrich und seine Frau mit dem eigenen Auto erst in den Süden an die Strände, danach zurück in den Isan. Chiang Mai und Chiang Rai will er sich noch einmal in Ruhe ansehen. Sein letzter Satz an dich, wenn du nach Thailand kommst, ist kurz:

„Genießt es einfach.“

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Zu den Zahlen (Stand 15.09.2026): Alle Aussagen zu Dietrichs Alltag, Gesundheit, Sprache, Führerschein, Kosten und zur Polizei stammen aus dem Interview und geben seine persönliche Erfahrung und Meinung wieder, sie sind nicht unabhängig geprüft · Die Führerschein-Kosten von rund 1.000 Baht nennt Dietrich selbst ausdrücklich als unsicher · Voraussetzungen für einen thailändischen Führerschein können sich ändern, verbindlich ist das Department of Land Transport · Wechselkurs 1 € ≈ 38,41 ฿ nach dem Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 14.09.2026 (ecb.europa.eu, Datei eurofxref-daily.xml, Eintrag „THB rate='38.407'“, abgerufen 15.09.2026). Alle Angaben ohne Gewähr.

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Nihat Bucakli
Seit 2018 unterwegs, inzwischen acht Jahre und 70 Länder. Nach Thailand und Vietnam zieht es mich immer wieder zurück, dort war ich jeweils Monate am Stück. Ich zeige dir, wie Auswandern wirklich funktioniert, ohne Schönfärberei.