Dietrich ist 75. Mit 72 hat er 2023 zusammen mit seiner thailändischen Frau Deutschland verlassen. Als ehemaliger Beamter hat er rund 3.000 Euro im Monat zur Verfügung, 2.000 Euro gehen für beide nach Thailand, Miete zahlen sie keine. Er ist weiter über seine deutsche Beamten-Krankenkasse versichert und streckt Arztkosten vor. Sein wichtigster Tipp: auch als Verheirateter lieber das Rentnervisum statt des Familienvisums.
In Bangkok sitzt mir Dietrich gegenüber. 75 Jahre alt, geboren im Harz, aus der DDR geflohen, danach Lübeck, Berlin, Hamburg und zuletzt Königs Wusterhausen südlich von Berlin. Mit 72 ist er nach Thailand gegangen. Die meisten, mit denen ich spreche, sind viel früher dran. Also wollte ich wissen: Warum so spät, und bereut er es?
„Lieber schwitzen in Thailand als frieren in Deutschland.“
Warum erst mit 72
Vor 18 Jahren hat Dietrich seine Frau in Deutschland kennengelernt, sie war dort zu Besuch bei Verwandten. Ein Jahr später haben sie geheiratet. Seitdem waren sie fast jedes Jahr in Thailand, über zehnmal, am längsten drei Monate am Stück. In Deutschland hat sich seine Frau eine Thaimassage aufgebaut und gut verdient. Von ihrem eigenen Geld hat sie sich ein Haus im Isan gebaut. Das Haus gehört ihr, sagt Dietrich, er musste nichts Großes beitragen.
Der Grund für den späten Schritt war seine Frau. Sie wollte mit der Massage noch etwas verdienen. Dann kam Corona und alles wurde verschoben. 2023 haben sie die Massage geschlossen und sind geflogen, um zu bleiben. Verkaufen konnten sie das Geschäft nicht, der Vermieter wollte die Räume selbst nutzen.
Bemerkenswert finde ich: Dietrich war vorher nie ein ganzes Jahr in Thailand. Nie in der Regenzeit. Nie als Patient in einem Krankenhaus. Trotzdem hat er gepackt.
Isan oder Bangkok
Die ersten anderthalb Jahre haben sie in ihrem Haus im Isan gelebt. Seit etwa anderthalb Jahren sind sie in Bangkok, wegen der kleinen Enkelin. Tochter und Schwiegersohn arbeiten, um ihr Haus abzuzahlen, und Dietrich und seine Frau passen tagsüber auf die Kleine auf. Er fährt mit ihr Fahrrad, morgens und abends, und sie freut sich jedes Mal darauf. In etwa einem Jahr kommt sie in den Kindergarten, dann geht es zurück in den Isan.
Dort fühlt er sich wohler. Das Leben ist ruhiger, man hat mehr Zeit, und die Leute lächeln, vor allem wenn er Thai versucht. In Bangkok ist es hektischer, und Auto fährt er dort nicht gern. Der Berliner Verkehr sei nichts dagegen.
Thai-Familie: Abzocke oder Glück?
Man kennt die Geschichten von Männern, die in Thailand ausgenommen werden. Dietrich sagt, er habe sehr viel Glück mit seiner Familie. Fleißige, ehrliche, liebe Menschen. Seine Frau kam nach Deutschland, um die Liebe zu finden, aber auch um zu arbeiten. Er ist sogar überzeugt, dass die Mehrheit der deutsch-thailändischen Partnerschaften glücklich ist.
„Von denen hört man nichts.“
Wer Probleme hat, schreibt es auf Facebook, und das verbreitet sich. Wer glücklich ist, postet es nicht. Von Politik als Auswanderungsgrund hält er dagegen nichts. Deutschland hat für ihn trotz allem ein recht gutes politisches System. Er ist wegen der Wärme gekommen, wegen seiner Frau und wegen der Menschen. Seine Gelenkprobleme sind in Thailand besser geworden.
Rente in Thailand: reicht die Pension?
Dietrich war Beamter im gehobenen Dienst. Er sagt offen: Rund 3.000 Euro im Monat hat er zur Verfügung. Ein Teil geht in Deutschland für Krankenversicherung und Abos weg. 2.000 Euro überweist er jeden Monat auf das Konto seiner Frau, ein eigenes Konto in Thailand hat er nicht. Im Isan haben die beiden damit bestens gelebt. In Bangkok schiebt er ab und zu etwas nach.
Wichtig zur Einordnung: Miete zahlen sie weder im Isan noch in Bangkok. Und die Kosten mischen sich mit Tochter und Schwiegersohn, mal zahlen die einen, mal die anderen. Einen genauen Betrag kann er deshalb nicht nennen. Mit 2.000 Euro kommt man zu zweit in Bangkok aber recht gut aus, sagt er, wenn man nicht ständig in teure Restaurants und Malls geht. Er sagt auch: Mancher Rentner, dem es finanziell nicht so geht, hat hier natürlich Probleme.
Krankenversichert mit 75
Als Beamter ist Dietrich privat versichert. Arztkosten in Thailand streckt er vor und reicht die Belege digital in Deutschland ein. Erstattet wird, so erklärt er es, bis zu den Beträgen, die auch in Deutschland für dieselbe Leistung gezahlt worden wären. Eine thailändische Versicherung hat er nicht. Die medizinische Versorgung in Bangkok findet er besser als erwartet, er geht in eine private Klinik in der Nähe, die ihm sein Schwiegersohn empfohlen hat.
Wer nicht so versichert ist wie er, dem empfiehlt er eine thailändische Versicherung, weil die oft direkt mit dem Krankenhaus abrechnet. Aufpassen solle man auf Altersgrenzen, stark steigende Beiträge ab einem bestimmten Alter und Ausschlüsse wie Vorerkrankungen. Ganz ohne Versicherung würde er niemandem raten, in Thailand zu leben. Sein Beispiel: eine Million Baht Kosten nach einem Unfall, das sind rund 26.000 Euro.
Für immer bleiben
Dietrich ist noch bei seinem Bruder in Deutschland gemeldet. Er wollte ein Bein in Deutschland behalten, falls er aus gesundheitlichen Gründen zurück muss. Inzwischen will er nicht mehr zurück.
„Ich sag immer, ich will hier begraben werden.“
Er weiß, dass er irgendwann Pflege brauchen wird. Er hat es bei seinen Eltern erlebt. So zu leben wie seine Mutter im Pflegeheim, das wäre nicht sein Ding. In Thailand hat er eine Familie um sich, und seine Frau ist 22 Jahre jünger als er.
Sein Visum-Tipp für Verheiratete
Eingereist ist Dietrich mit einem Non-Immigrant-O-Visum als Familienangehöriger. Nach 90 Tagen hat er bei der Immigration eine Verlängerung für ein Jahr geholt, und das muss er jedes Jahr wiederholen. Sein Tipp, auch wenn du mit einer Thailänderin verheiratet bist: Nimm lieber das Rentnervisum, wenn du finanziell entsprechend aufgestellt bist.
Beim Familienvisum muss man nach seiner Erfahrung weniger Geld nachweisen. Dafür muss man die Heiratsurkunde vorlegen, mitunter kommt die Immigration zu Besuch, um Scheinehen auszuschließen, und man muss einiges nachreichen. Der Verwaltungsaufwand ist für ihn deutlich höher. Beim Rentnervisum nennt das thailändische Außenministerium als Nachweis ein Guthaben von 800.000 Baht, rund 20.800 Euro, oder ein monatliches Einkommen von 65.000 Baht, rund 1.690 Euro. Die Details findest du unten bei den Zahlen, und vor jedem Antrag gilt: bei der Botschaft oder der Immigration nachfragen.
Die Bürokratie macht er selbst, ohne Agentur. Im Isan, mit drei Schaltern und freundlichen Beamten, geht das entspannt. In Bangkok erlebt er die Immigration höflich, aber gestresst. Besser als in Deutschland sei die Bürokratie in Thailand nicht, auch hier wolle man alles in Kopie. Und die Reaktionen in Deutschland auf seinen Schritt? Einer sagte „Du bist ja verrückt“. Die meisten fanden es gut.
Wie es Dietrich im Alltag wirklich geht, was ihn stört und welche Deutschen er meidet, erzählt er im zweiten Teil des Interviews. Und wenn du selbst so eine Geschichte hast: Auf der Interview-Seite kannst du dich bewerben, auf Wunsch auch anonym.
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Zu den Zahlen (Stand 15.09.2026): Alter, Lebenslauf, Pension, Monatsbudget, Krankenversicherung und Visum-Erfahrungen stammen aus dem Interview und geben Dietrichs persönliche Situation und Meinung wieder · Die Beträge für das Rentnervisum nach dem Visum-Merkblatt des thailändischen Außenministeriums (Botschaft Kuala Lumpur), „Bank statement with a minimum deposit equivalent to 800,000 Thai baht or Income Certificate with a minimum monthly income equivalent to 65,000 Thai baht“, image.mfa.go.th/mfa/0/n3gTFT2TOE/NON-IMMIGRANT_VISA_(O-Retirement)-new.pdf, abgerufen 15.09.2026. Das Merkblatt betrifft die Beantragung des Visums; für die jährliche Verlängerung in Thailand gelten die Vorgaben der Immigration, die sich ändern können · Die Anforderungen beim Familienvisum sind Dietrichs Erfahrung und nicht unabhängig geprüft · Wechselkurs 1 € ≈ 38,41 ฿ nach dem Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 14.09.2026 (ecb.europa.eu, Datei eurofxref-daily.xml, Eintrag „THB rate='38.407'“, abgerufen 15.09.2026). Alle Angaben ohne Gewähr, keine Rechts- oder Steuerberatung.