Marc ist 52, kommt aus der Nähe von Frankfurt und ist seit ungefähr anderthalb Jahren in Thailand. Mit seiner Freundin hat er das Restaurant Krua Thai Lanna an der Jomtien Second Road übernommen. Selbst arbeiten darf er nicht, er hat keine Arbeitserlaubnis, ist aber viel vor Ort. Für seine Krankenversicherung zahlt er nach eigener Aussage knapp 90.000 Baht im Jahr, rund 200 Euro im Monat. Und zurück will er nicht.
Ich bin in Jomtien und sitze mit Marc zusammen. 52 Jahre, aus der Nähe von Frankfurt, seit ungefähr anderthalb Jahren in Thailand. Und er sagt am Ende einen Satz, den ich in dieser Klarheit selten höre: Wenn es irgendwie geht, möchte er nicht mehr zurück.
Der Auslöser: 50 werden
Marc wollte etwas in seinem Leben ändern. Er hat viel gearbeitet. Und irgendwann kam der Punkt, an dem er sich gesagt hat: „ich fühl mich nicht mehr wirklich wohl in Deutschland, ich brauch ne Veränderung.“ Durch die vielen Urlaube war die Idee Thailand schon da. Den Ausschlag gab das Alter. Mit 50 kann man das Rentnervisum beantragen, und genau das war für ihn der Moment.
Vorher hatte er daran nicht gedacht. Berufliche und familiäre Verbindungen hätten es nicht zugelassen. Dann tat sich die Chance auf, und er dachte: jetzt oder nie. Also hat er in Deutschland alles verkauft, oder wie er sagt, versilbert. Sobald das durch war: Flug buchen, Visum, rüber. Und falls es schiefgeht, geht er eben wieder zurück. So hat er es sich vorher gesagt.
2016 kam er nur widerwillig
Das Spannende an Marc: Thailand war nie sein Traum. 2016 war er zum ersten Mal hier, nach eigenen Worten „absolut widerwillig“. Der Flug war ihm zu lang, das Wetter zu warm, mit Thai-Essen hatte er nichts am Hut. Er hatte das Bild im Kopf, es sei dreckig und stinke.
Ein Freund wurde 50 und wollte unbedingt in Thailand feiern. Marc sagte zu, für eine Woche, nicht länger. Und es war, sagt er, alles genauso, wie er es sich vorgestellt hatte: der lange Flug von Frankfurt nach Bangkok, die Hitze wie eine Wand vor dem Flughafen. Aber die Woche war witzig. Ein halbes Jahr später, im Januar, war er wieder da. Danach jedes Jahr im Winter rund 14 Tage. Dann zweimal im Jahr, dann dreimal. Und jetzt ganz.
Urlaub ist nicht Alltag
Marcs wichtigster Punkt für alle, die überlegen: Mach dir Gedanken, was du hier den ganzen Tag machen willst. Im Urlaub liegst du tagsüber am Pool und abends geht es los. Das trägt nicht für den Rest des Lebens. Und irgendwann ist es auch eine Frage des Geldes.
Bei ihm ist es das Restaurant. „jetzt arbeite ich zwar nicht, weil ich keine Arbeitserlaubnis hab, aber trotzdem bin ich ja viel da.“ Morgens aufstehen, schauen, dass eingekauft wird, dass das Personal da ist. Freunde aus Deutschland kommen vorbei, um die kümmert er sich gern. Mit 52 muss er nicht mehr jeden Abend auf die Walking Street. Und was er an Thailand mag: Welches Auto du fährst, welche Uhr du trägst, welche Klamotten du anhast, das interessiert hier keinen.
Was im Alltag nervt
Ehrlich wird Marc bei den Dingen, die ihn Nerven kosten. Er wollte eine Gardinenstange kaufen, fünf Meter. Die Verkäuferin: haben wir nicht. Er sucht selbst und findet Stücke mit zwei Metern und einem Meter, dazu Verbinder. Seine Erklärung: Man sagt in Thailand ungern, dass man etwas nicht weiß, um das Gesicht nicht zu verlieren. Also heißt es schnell, das gibt es nicht.
Im Restaurant trifft ihn das beim Eis. Drei Sorten hat er auf der Karte. Schokolade und Vanille in der Qualität, die er will, sind bei Makro oft kaum zu bekommen, und vorbestellen geht nach seiner Erfahrung nicht. Dann kann er Gästen nichts verkaufen und verliert Umsatz. Sein Satz dazu: „das Geld liegt auf der Straße und wir als Ausländer dürfen's halt leider nicht aufheben.“
Was er vermisst
Die Familie. Seine Tochter ist in Deutschland, dazu Katzen und ein Hund. Die vermisst er sehr. Sonst? „ansonsten vermiss ich gar nichts an Deutschland.“ Höchstens Brot. Und selbst das gibt es hier, nur ist es nach zwei Scheiben lätschig.
Seine Freundin hat er vor drei Jahren im Urlaub kennengelernt. Für ihn war klar: Wenn, dann geht es in diese Richtung, nicht nach Deutschland. Hauptgrund: das Wetter. Wenn er morgens aufwacht und die Sonne durch den Vorhang blinzelt, sagt er, „das ist das Beste“.
Krankenversicherung und Kosten
Die Krankenversicherung hat Marc ganz klassisch über einen Versicherungsmakler vor Ort abgeschlossen. Er hat sich Angebote zeigen lassen und wollte ordentlich abgesichert sein. Eine Police, die beim gebrochenen kleinen Finger zahlt und bei allem Größeren an der Deckungssumme scheitert, kam für ihn nicht infrage. Er zahlt knapp 90.000 Baht im Jahr, rund 200 Euro im Monat.
Die deutsche Krankenkasse lief am Anfang parallel. Nach einem Jahr hat er sie gekündigt. Eine Anwartschaft hätte ihn nach seiner Angabe gut 280 Euro im Monat gekostet. Das war ihm zu viel.
Und was kostet das Leben? Kommt drauf an, sagt Marc. Wer den Ball flach hält, kommt mit kleinem Budget klar. Ein kleines Condo mit Schlafzimmer, rund 30 Quadratmeter, bekommst du seiner Einschätzung nach schon für 8.000 bis 10.000 Baht im Monat, rund 210 bis 260 Euro. Nach oben ist alles offen. Seine eigene Finanzlage hat sich seit dem Umzug deutlich verschlechtert, das sagt er offen. Er hat in Deutschland gut verdient. Aber er vermisst nichts.
Die Geschichte mit dem Auto
Warum ihn Status nicht mehr juckt, erklärt Marc an einem Beispiel. Er hatte ein Auto, sein „Spielzeugauto“, das er sehr geliebt hat. Im Herbst in die Garage gestellt, dann ein Dreivierteljahr nicht bewegt. Als er etwas herausholen wollte, ging nichts mehr, eine neue Batterie kostete einen Haufen Geld. Da hat er angefangen, alles zu hinterfragen. Sein Fazit: nice to have, aber glücklicher macht es nicht.
Für wen Thailand passt
Einfach nachmachen würde Marc niemandem raten. Anschauen schon. Man muss für die Kultur offen sein und darf nicht zu engstirnig reingehen. Die hygienischen Zustände sind eine andere Nummer als zu Hause, der Verkehr auch. Das kann für manche ein Kulturschock sein. Anders machen würde er selbst nichts.
Wenn du in Jomtien bist: Das Krua Thai Lanna liegt an der Jomtien Second Road. Es gibt hauptsächlich Thai-Küche, ein bisschen Western Food und ganz wenig Deutsches. Marc hat im Interview angeboten, dass du ihn dort ansprechen und Fragen stellen kannst. Die Adresse steht unten bei den Quellen.
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Zu den Zahlen (Stand 15.09.2026): Alle Aussagen, Zitate, Preise und Beträge stammen von Marc selbst aus dem Interview (Video vom 26.07.2026) und sind seine persönlichen Angaben, keine recherchierten Marktzahlen · Wechselkurs 1 € ≈ 38,37 ฿ nach open.er-api.com, Stand 15.09.2026 · Rentnervisum ab 50 nach dem Generalkonsulat München, Non-Immigrant Visa (O) Retirement: „Der Antragsteller muss mindestens 50 Jahre alt sein.“ munich.thaiembassy.org, abgerufen 15.09.2026 · Restaurant: Krua Thai Lanna, 350/94 Jomtien Second Rd, Muang Pattaya, laut Videobeschreibung, kruathailanna.com. Alle Angaben ohne Gewähr.